Wenn wir beim Ursprung der Molsdorfer Geschichte beginnen wollen, so müssen wir uns zurückversetzen in das neunte Jahrhundert. Aus dieser Zeit wird in alten Chroniken von einem König in Thüringen berichtet. Allem Anschein nach handelt es sich hier um Ludwig den Deutschen, ein Sohn Ludwigs des Frommen und Enkel Karl des Grossen - Dieser hatte einen Diener, welcher ihm lange Jahre ehrlich und treu gedient hatte ; er hätte ihm sogar sein Leben anvertrauen können. - Besagter Diener stammte aus dem Schwanfelde, der Gegend, wo sich heute Zwickau befindet, und wurde deshalb der Schwanfelder genannt.

Histor Molsdorf 00001Im Gefolge der Königin aber befand sich ein Edelfräulein, (der Name ist leider nicht überliefert) welches dem Schwanfelder sehr zugetan war. Auch der Schwanfelder hatte keinen sehnlicheren Wunsch als eine Verbindung mit dieser edlen Jungfer. Noch hatten die beiden sich aber gegenseitig nicht offenbart, denn der Schwanfelder war nicht adeliger Herkunft und nannte nichts sein Eigen. Das Königspaar hatte jedoch längst die gegenseitige Zuneigung der beiden bemerkt. Als nun gelegentlich einer grossen Jagd - da die Schranken der Etikette etwas gelockert waren - der König seinen Diener befragte, gestand ihm dieser seine Zuneigung zu der Jungfer, fügte aber gleich hinzu, dass seine Zukunft ganz in der Hand seines Königs läge, und dass er an eine Verbindung ja sowieso nicht denken könnte, weil er nicht von edler Herkunft sei und auch nichts sein Eigen nenne. Darauf hat nun das Königspaar beschlossen, die beiden zu unterstützen und eine Ehe zu stiften. Vor der versammelten Jagdgesellschaft fragte der König das Paar, ob sie gewillt seien, den Bund der Ehe miteinander einzugehen, und nachdem sie sich das Jawort gegeben hatten, brach er vom nächsten Baume einen Zweig und bekränzte den Bräutigam. Dann liess er von seinem Kaplan, der ebenfalls zur Jagdgesellschaft gehörte, die Trauung vollziehen. Da nun der Bräutigam, der ja nicht im geringsten vorbereitet war, keinen Ring hatte, zog der König einen goldenen Ring mit einem Rubin von seinem Finger und steckte ihn dem Neuvermählten an. Aber damit noch nicht genug. Der König schenkte seinem Diener das ganze Gebiet, auf dem die Jagd stattgefunden hatte und liess es durch Malzeichen abstecken und begrenzen. Auf der Stelle aber, auf welcher die Trauung vollzogen worden war, liess er ihm ein kleines Schloss mit Wallgraben und Turm errichten.

Als Krönung seiner guten Tat jedoch adelte der König den Schwanfelder auf den Namen dem dieser selbst seinem von Malzeichen begrenzten Ort gegeben hatte und der nun der Stamm- und Erbsitz derer von Malsdorff werden sollte.

Aus Malsdorf wurde dann bald Molsdorf. (Wahrscheinlich eine Folge der mundartlichen Eigenart der Thüringer, das "a" wie ,,0" auszusprechen.) In dem Schwanenfelder-Molsdorfer Wappen spiegelt sich diese Begebenheit wider. Es zeigt auf blauem Grund zwei gegeneinander gerichtete Schwanenhälse und Köpfe, die einen goldenen Ring mit einem Rubin in den Schnäbeln halten, darüber ein goldener Helm mit einem Lorbeerkranz und darauf wieder die Schwanenhälse mit dem Ring.